Mentaltraining und die Reiter...

In all den Jahren, in denen ich jetzt als Reitlehrerin tätig bin, ist mir eines bewusst geworden: ein guter Reitlehrer muss auch immer ein guter Coach sein. Mentaltraining habe ich mit meinen Schülern schon gemacht, da wusste ich noch gar nicht was das genau ist. 


Der Fisch fängt immer am Kopf zu stinken an. Heißt: der Reiter ist in den meisten Fällen der Fisch. 
Das ist ja auch nicht verwunderlich. Im Gegensatz zum Pferd, welches den ganzen Tag frisst  oder aufs Fressen wartet, kommt die Möhrchengeberin mit einem großen Rucksack gefüllt mit Eindrücken des Tages und oftmals emotional geladen (negativ wie auch positiv) in den Stall. Das muss der Pferdinand dann mal verarbeiten. Wird schon beim Putzen jeder kleinste Fehltritt gerüffelt (Pferd schaut komisch) oder wird heftiges Scharren weil es wieder mal länger dauert (Frauchen hat ihre "Lieblings-Stall-Tratschkollegin getroffen) mit einem Leckerli und mit: "Jaaa du armer. Ich beeilen mich schon", sogar belohnt?

Ja, unsere Befindlichkeiten können wir meist nur sehr schlecht verbergen. Da tun sich ja schon oft unsere Mitmenschen schwer. Wie muss es da den Pferden gehen.

Weiter geht's dann im Sattel. Und da sagt das verwirrte Pflufti dann auch mal: "Moooooment Fräulein. Lass deinen Frust wo anders aus!" Stimmt, aber leichter gesagt als getan. Oder?

Im besten Fall steht jetzt eine Reitstunde am Programm, mit einen(r) Reitlehrer(in) der/die von Mentaltraining Ahnung hat. Denn wenn man vom Chef eine über die Rübe bekommen hat und deshalb so verspannt und steif wie der berühmte Gehstock ist, nützt es nicht wirklich, wenn Herr/Frau Wichtig in der Mitte steht und plärrt: "Sitz doch endlich locker!"

Auch die bekannte Situation "alle Experten stehen an der Bande und der Dümmste reitet" kann zu massiven Stress führen der ein "lockeres Reiten" fast unmöglich macht. Daraufhin wird gleich noch mehr gelästert. Teufelskreis. 

Es gibt noch so unendlich viele Dinge, die einen belasten können (oft ist es einem gar nicht bewusst), welche die Harmonie zwischen Pferd und Reiter stören. Schuld ist aber selten das Pferd.  

Auch die Angst vorm Reiten wird oft runtergespielt oder sogar ins lächerliche gezogen: "Jetzt hast du ein Pferd, also reite es gefälligst auch!" Da kommt dann neben der Angst auch noch der Druck dazu. Angst kann viele Ursachen haben. Ein Sturz zum Beispiel. Aber auch das Alter oder wenn man Mutter wird und plötzlich die Vernunft ein Veto einlegt. Plötzlich trägt man nicht mehr nur für sich selbst die Verantwortung. Der Kopf schaltet das Bauchgefühl völlig aus. Und einer der gefährlichsten Begleiter beim Reiten ist die Angst. Sie macht uns unfähig die richtigen Entscheidung zu treffen. Und: Pferde spüren Angst. Das macht sie unsicher, und aus dem braven "Latschi" wird plötzlich eine Höllenmaschine. 

Im Spitzensport wird Mentaltraining schon seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Nur im Freizeitsport ist es noch nicht wirklich angekommen. Dabei ist gerade im Umgang mit Tieren (Reit- oder auch Hundesport) die mentale Stärke des Menschen essentiell, wenn man mit seinem tierisch Partner ein gutes Team abgeben will.

Es gibt diejenigen, die davon noch nichts gehört haben, und diejenigen, die davon überzeugt sind, es nicht zu brauchen.

Zweitere überrasche ich nach einer gelungenen Reiteinheit immer ganz gerne. Auf die Frage wie es sich heute angefühlt hat, bekomme ich dann oft freudestrahlend die Antwort: "Es war genial!" "Na super, heute hatten wir neben dem Reittraining auch Mentaltraining dabei!"

Mentaltraining heißt nämlich nicht, irgendwas aufzuarbeiten und schon gar nicht zu therapieren, sondern den Menschen zu begleiten, seine Blockaden zu lösen. Kurzzeitcoaching funktioniert am Beginn einer Reitstunde optimal, und wird als solches meist gar nicht wahrgenommen. 

Das Coaching hilft aber in allen Lebensbereichen. Wenn es zum Beispiel um Zielfindungen geht oder um uns selbst zu stärken (Selbstvertrauen, Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein, Selbstliebe etc..)

Liebe Grüße eure Kathrin 

Falls ihr mehr wissen wollt, besucht mich doch gerne auf meiner Homepage: www.kathrin-hainzl.com 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bitte, sei mir jetzt nicht böse, aber...

Wenn Mütter über ihre Grenzen gehen...

Von Männern und Pferden...